Polizei räumt "Kleinen Sündenwald" – neuer Streit um RWE und Braunkohle-Erbe
Gerhart HenckWas Sie über die Räumung des 'Sündigen Waldes' wissen müssen - Polizei räumt "Kleinen Sündenwald" – neuer Streit um RWE und Braunkohle-Erbe
Der "Kleine Sündenwald" – ein kleines Waldstück nahe dem Tagebau Hambach – steht erneut im Mittelpunkt eines Streits zwischen dem Energiekonzern RWE und Umweltschützern. Am 20. Oktober rückte die Polizei an, um Aktivisten zu räumen, die das Gelände besetzt hatten und so die für diesen Monat geplanten Baumfällarbeiten blockierten. Die Konfrontation erinnert an frühere Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst, doch dieses Gebiet genießt – anders als sein größerer Nachbar – keinen Schutz durch den "Braunkohle-Kompromiss" von 2020.
Hintergrund des Konflikts ist RWEs Plan, im Waldboden Kies abzubauen, den das Unternehmen als unverzichtbar für die Stabilisierung der Ufer eines künftigen künstlichen Sees bezeichnet. Jahrzehntelanger Braunkohleabbau in Nordrhein-Westfalen hat riesige Krater hinterlassen, die die Behörden im Rahmen der Renaturierung nach dem Bergbau fluten wollen. Auch der Tagebau Hambach, in dem der "Kleine Sündenwald" liegt, soll in ein Gewässer umgewandelt werden.
Das Oberverwaltungsgericht Münster urteilte im Januar 2024, dass die Rodung rechtmäßig sei, da keine Verstöße gegen Artenschutzbestimmungen – etwa für die Bechsteinfledermaus – vorlägen. RWE betont, alle notwendigen Genehmigungen und ökologischen Gutachten lägen vor. Doch wie Umweltberichte bestätigen, wurden seit diesem Urteil bis März 2026 keine weiteren offiziellen Bewilligungen für den Kiesabbau erteilt.
Aktivisten, darunter Mitglieder des BUND NRW, verweisen auf alternative Kiesvorkommen und werfen RWE vor, den Bau einer geplanten Yachthafen-Anlage über den Erhalt eines funktionsfähigen Ökosystems zu stellen. Seit Anfang Oktober hatten Protestierende Baumhäuser besetzt und die Arbeiten gestoppt, bis die Polizei eingriff. Trotz seiner geringen Größe hat der Wald eine symbolische Bedeutung und befeuert erneut die Debatte über das industrielle Erbe und den Verlust natürlicher Lebensräume in der Region.
Mit dem Auslauf des Braunkohleabbaus bis 2030 markiert die Rodung des "Kleinen Sündenwalds" eines der letzten Kapitel der rheinischen Kohleära. Der abgebauten Kies wird zwar die Gestaltung des künftigen Sees ermöglichen, doch Kritiker bemängeln, dass damit ein weiterer Wald unwiederbringlich verloren geht. Ungeklärt bleibt die Frage, wie sich Renaturierungsprojekte und der Schutz der verbleibenden Naturflächen in Einklang bringen lassen.






