Internationale Absolventen: Warum Praktika und Deutschkenntnisse über die Jobchancen entscheiden
Karl-Peter MöchlichenInternationale Absolventen: Warum Praktika und Deutschkenntnisse über die Jobchancen entscheiden
Internationale Studierende in Deutschland stehen vor unterschiedlichen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt
Absolventinnen und Absolventen aus dem Ausland, die durch Praktika oder fachnahe Jobs Berufserfahrung sammeln, erhöhen ihre Chancen auf eine Festanstellung deutlich. Dennoch haben viele weiterhin Schwierigkeiten – besonders dann, wenn sie aus finanzieller Not heraus in branchenfremden Nebenjobs arbeiten müssen.
Eine aktuelle Studie unterstreicht die Vorteile für internationale Absolventen, die Praktika absolvieren, ihre Abschlussarbeit in Kooperation mit Unternehmen schreiben oder studienrelevante Tätigkeiten ausüben. Sie finden deutlich leichter einen Job nach dem Studium. Demgegenüber haben Studierende, die sich mit nicht fachbezogenen Minijobs über Wasser halten müssen, deutlich schlechtere Karten auf dem Arbeitsmarkt.
Auch Deutschkenntnisse spielen eine entscheidende Rolle. Zwar haben nur etwa 15 Prozent der internationalen Studierenden verpflichtende Deutschkurse in ihrem Studienplan – doch gute Sprachkenntnisse steigern die Einstellungschancen erheblich, selbst bei Stellen, die offiziell auf Englisch ausgeschrieben sind. Dies ist besonders relevant, da über die Hälfte der internationalen Studierenden in Deutschland MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) belegen, wo der Bedarf an Fachkräften weiterhin hoch ist.
Aktuell fehlen in Deutschland rund 148.500 MINT-Fachkräfte. Da in den nächsten zehn Jahren zusätzlich 1,85 Millionen Beschäftigte den Arbeitsmarkt verlassen werden, ist die Bindung internationaler Talente zu einer Priorität geworden. Hochschulen setzen zunehmend Initiativen um, um die Verbindung zur Wirtschaft zu stärken und Studierende besser auf den Berufseinstieg vorzubereiten.
Für viele wird Deutschland mehr als nur ein vorübergehender Aufenthaltsort. Rund 26 Prozent der internationalen Studierenden, die ursprünglich nur einen kurzen Aufenthalt planten, bleiben langfristig, sobald sie eine Arbeitsstelle gefunden haben. Insgesamt zeigen sich Hochqualifizierte, die über ein Studium eingewandert sind, 1,6-mal häufiger bereit, dauerhaft zu bleiben als andere Migrantengruppen. Absolventen deutscher Hochschulen haben zudem eine dreimal höhere Chance auf eine Anstellung als Zuwanderer, die direkt zur Arbeitsaufnahme kommen.
Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig Berufserfahrung und Sprachkompetenz für internationale Studierende sind, die in Deutschland Fuß fassen wollen. Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels arbeiten Hochschulen und Arbeitgeber immer enger zusammen, um Absolventen den Übergang in den Beruf zu erleichtern. Wer relevante Praxiserfahrung sammelt und seine Deutschkenntnisse verbessert, hat die besten Aussichten auf langfristigen Erfolg.






