Sachsen-Anhalt bangt vor AfD-Regierung und radikalen Reformen im Bildungsbereich
Sami RöhrichtSachsen-Anhalt bangt vor AfD-Regierung und radikalen Reformen im Bildungsbereich
Mehrere Institutionen in Sachsen-Anhalt warnen vor Regierungsbeteiligung der AfD
In Sachsen-Anhalt wächst die Sorge, dass die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) nach einem möglichen Regierungsantritt die Bildungspolitik, Gleichstellung und öffentliche Verwaltung im Land grundlegend verändern könnte. Vertreter verschiedener Behörden und Verbände äußern sich besorgt über die geplanten Reformen der Partei.
Sarah Schulze, die amtierende Gleichstellungsbeauftragte des Landes, fürchtet um ihre Position. Unter einer AfD-geführten Regierung würde ihr Amt abgeschafft und durch eine „Familienbeauftragte“ ersetzt werden, deren einziges Ziel die Steigerung der Geburtenrate sei.
Auch Maik Reichel, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, befürchtet die Abschaffung seiner Behörde. Stattdessen plant die AfD die Einrichtung eines „Landesinstituts für politische Bildung und kulturelle Identität“ – eine Umstrukturierung, die Reichel als Teil einer „extrem verengten Bildungs- und Kulturpolitik“ kritisiert. Er warnt vor einer einseitigen Ausrichtung der politischen Bildung.
Besonders alarmiert zeigen sich Pädagogen. Malte Gerken vom GEW-Bildungsgewerkschaft prognostiziert, dass viele Lehrkräfte Sachsen-Anhalt verlassen würden, sollten die AfD-Pläne umgesetzt werden. Die Partei will die Schulpflicht abschaffen, „Heimatkunde“ als Pflichtfach einführen und inklusive Klassen auflösen. Eva Gerth, Landesvorsitzende der GEW, ergänzt, dass sich auch Forscher seltener in der Region ansiedeln und junge Menschen das Land meiden könnten.
Nancy Emmel, stellvertretende Vorsitzende der Polizeigewerkschaft in Sachsen-Anhalt, betont zwar, dass Wahlergebnisse zu respektieren seien. Gleichzeitig warnt sie jedoch vor den Folgen einer AfD-Regierung und pocht auf die Unabhängigkeit der Polizei. Emmel fordert klare, rechtssichere Verfahren und starke Führungsstrukturen, um öffentliche Institutionen zu schützen.
Die von der AfD geplanten Veränderungen umfassen die Abschaffung von Gleichstellungsstellen, eine radikale Umgestaltung des Bildungssystems und die Neustrukturierung zivilgesellschaftlicher Einrichtungen. Sollten diese Pläne Realität werden, stünde Sachsen-Anhalts öffentlicher Sektor vor tiefgreifenden Umbrüchen – mit weitreichenden Konsequenzen für Lehrkräfte, Wissenschaftler und Behördenmitarbeiter.






