15 March 2026, 06:31

EU-Saatgutgesetz bedroht seltene Sorten und kleine Erzeuger in Deutschland

Ein Buch mit dem Titel "Archias Saatgut-Jahrbuch 1941", das Bilder von Tomaten, Gurken, Paprika und Gläser mit verschiedenen Gemüsen auf dem Cover zeigt.

EU-Saatgutgesetz bedroht seltene Sorten und kleine Erzeuger in Deutschland

Ein geplanter EU-Saatgutgesetzentwurf sorgt bei kleinen Erzeugern und Hobbygärtnern für Besorgnis. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, könnte es den Zugang zu traditionellen und seltenen Sorten einschränken. Seit Anfang 2026 laufen Verhandlungen zwischen den EU-Institutionen, wobei die Meinungen darüber, wie streng die Vorschriften ausfallen sollen, weit auseinandergehen.

Die Europäische Kommission, das Parlament und der Rat der Mitgliedstaaten diskutieren seit Februar 2026 über die Details des Gesetzes. Während das Parlament Ausnahmen für Kleinproduzenten fordert, setzt sich der Rat der Agrarminister für strenge Kontrollen und hohe Zertifizierungskosten ein. Viele kleine Saatguthändler in Düsseldorf befürchten, dass die neuen Regeln sie in die Insolvenz treiben könnten.

Michael Bonke, Organisator des Düsseldorfer Saatgutfestes, warnt, dass strengere Vorschriften Produzenten zur Aufgabe zwingen könnten. Anne Mommertz, eine Selbstversorger-Gärtnerin aus der Stadt, fürchtet, dass das Gesetz die Artenvielfalt verringern wird, indem seltene Sorten schwerer erhältlich werden. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss verweist zudem auf die hohe Nachfrage nach bestimmten Sorten, die im neuen System verschwinden könnten.

Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss setzen sich bereits jetzt für den Erhalt der Biodiversität ein, indem sie Saatgut kostenlos verleihen. Gleichzeitig zog das Münchner Saatgutfest im März 2026 rund 1.500 Besucher an – ein deutliches Zeichen für das große öffentliche Interesse an traditionellen Sorten. Ohne Nischenanbieter könnten Gärtner bald nur noch auf standardisiertes Saatgut großer Industriekonzerne angewiesen sein.

Das Ergebnis der EU-Verhandlungen wird entscheiden, ob kleine Saatguthersteller weiter bestehen können. Falls die strengeren Regeln durchkommen, könnten seltene Sorten aus den Gärten verschwinden, und Hobbygärtner hätten weniger Auswahl. Saatgutbibliotheken und lokale Initiativen könnten dann noch wichtiger werden, um die Pflanzenvielfalt zu bewahren.

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