EMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz Rückzug der Stadt
Karl-Peter MöchlichenEMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz Rückzug der Stadt
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hat mit seiner Entscheidung, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Tala Al-Sharif zu zeigen, für Kontroversen gesorgt. Die Stadtverwaltung distanzierte sich von der Veranstaltung und verwies auf deren angeblich antisemitische Haltungen sowie ihre Unterstützung für die BDS-Bewegung. Die Festivalverantwortlichen hingegen verteidigen ihre Programmauswahl und stellen sie als Teil einer größeren Debatte über künstlerische Freiheit dar.
Der Streit entbrannte, als das EMAF bekannt gab, Al-Sharifs Film "Morning Circle" im Rahmen seines diesjährigen Programms 2024 zu präsentieren. Ein Sprecher der Stadt Osnabrück erklärte später, ihre öffentlichen Äußerungen stünden im Widerspruch zu den Werten der Kommune. Die lokale Regierung zog daraufhin ihre Unterstützung für das Festival zurück, forderte jedoch nicht die Streichung des Films.
Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies zog seine Schirmherrschaft für die diesjährige Ausgabe zurück. Sein Büro betonte, der Staat respektiere zwar die Unabhängigkeit des Festivals, lehne Antisemitismus in jeder Form jedoch entschieden ab. Das EMAF hingegen rechtfertigt seine Auswahl und verweist darauf, dass das Festival in der Vergangenheit bereits palästinensische, jüdische und israelische Künstler:innen gezeigt habe.
Al-Sharif selbst sieht sich wegen ihrer Aktivitäten in sozialen Medien und angeblicher Verbindungen zur BDS-Bewegung Vorwürfen des Antisemitismus ausgesetzt. Öffentliche Stellungnahmen von ihr zur aktuellen Kritik sind bisher nicht bekannt. Das diesjährige Festivalmotto "An Incomplete Assembly" (Eine unvollständige Versammlung) thematisiert gezielt Zensurdebatten und künstlerische Ausdrucksfreiheit.
Die Vorführung von Al-Sharifs Film wird wie geplant stattfinden – allerdings ohne die Rückendeckung der Osnabrücker Stadt- oder Landesregierung. Die Entscheidung des Festivals unterstreicht die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Verantwortung. Beide Seiten haben bisher keine weiteren Schritte angekündigt.






