Zufit Simons The Fight Club markiert radikale Abkehr vom Feminismus
Sami RöhrichtZufit Simons The Fight Club markiert radikale Abkehr vom Feminismus
Choreografin Zufit Simon präsentiert mit The Fight Club eine radikale Wende
Am 23. April feiert die Choreografin Zufit Simon mit The Fight Club ihre neueste Arbeit beim Best OFF Festival für Independent-Theater in Hannover Premiere. Das Stück markiert einen kühnen Bruch in ihrem künstlerischen Schaffen – weg von ihren bisherigen Themen, hin zu Auseinandersetzung und männlicher Machtgebärde. Bekannt für ihren feministischen Fokus, fordert Simon seit über zwei Jahrzehnten ihr Publikum mit unerwarteten, zum Nachdenken anregenden Performances heraus.
Geboren 1980 in Israel, lebt Simon seit 25 Jahren in Deutschland und hat sich in München, Braunschweig und Berlin einen Namen gemacht. Ihr Bühnendebüt gab sie 2002 in Turm zu Babel der Company CobosMika. Im Laufe der Jahre rückte sie Frauen und als weiblich wahrgenommene Performende in den Mittelpunkt – so auch in ihrem 2024 uraufgeführten Stück Radical Cheerleading, einer Studie über körperlichen Protest, das mit dem Hauptpreis des Festivals ausgezeichnet wurde.
Ihr künstlerischer Weg war jedoch nicht ohne Rückschläge: 2016 strich das Niedersächsische Ministerium für Kunst und Kultur die konzeptionelle Förderung, und 2024 musste das LOT-Theater Braunschweig wegen Insolvenz schließen. Beide Ereignisse erschwerten ihre Planung und unterbrachen ihr Unterstützernetzwerk. Dennoch bleibt sie aktiv – dank Kooperationen mit lokalen Koproduzent:innen und der Förderung durch Dietrich Oberländers artblau Tanzwerkstatt.
Simons Ansatz lebt von Subversion und Irritation – zunächst bei sich selbst, dann beim Publikum. Ihre Choreografien, oft mit molekularer Küche verglichen, destillieren komplexe Ideen zu prägnanten, sinnlichen Erlebnissen. Seit sie Mutter wurde, haben sich ihre feministischen Themen vertieft: Unchoreografierte Bewegungen, stimmliche Experimente und technische Verzerrungen fließen ein. 2025, mit nur 45 Jahren, erhielt sie den Münchner Tanzpreis für ihr Lebenswerk.
The Fight Club bricht nun neues Terrain auf – eine Auseinandersetzung mit Aggression und männlicher Energie. Das Stück steht für einen bewussten Abschied von ihren früherer, offener feministischen Arbeiten.
Die Premiere fällt in eine Phase des Wandels: Simons Werk bleibt der Provokation verpflichtet, verbindet persönliche Erfahrung mit künstlerischem Wagnis. Die Festspieleröffnung am 23. April zeigt ihre jüngste Erforschung von Geschlecht, Macht und Performance.






