Wiener Festwochen 2024: Provokante Kunst zwischen Leben, Tod und Makabrem
Karl-Peter MöchlichenWiener Festwochen 2024: Provokante Kunst zwischen Leben, Tod und Makabrem
Die Wiener Festwochen 2024 haben mit mutigen und provokanten Aufführungen begonnen. In diesem Jahr widmet sich das Programm den Themen Leben, Tod und dem Makabren. Gezeigt werden Produktionen, die Theater, Ritual und rohe Emotionen verschmelzen lassen.
Am Donnerstag, dem 29. Februar 2024, feierte Angélica Liddells Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder Die Lust am Sterben im Volkstheater Premiere. Die zweistündige Inszenierung rekonstruiert den rituellen Selbstmord des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima. Gleichzeitig greift sie eine persönliche Erfahrung auf: Liddell war am 7. Jänner 2024 in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau.
Die Aufführung erkundet das Leben und den Tod Fremder durch ihre Kleidung. Sie verbindet Ästhetik des Nō-Theaters mit visuell drastischer Kunst, darunter eine blutbespritzte Szene. Düstere Humormomente durchziehen die Handlung – etwa ein sich in Pose werfender Bodybuilder im Kontrast zu sich entkleidenden jungen Männern. Liddell liefert eine ekstatische Rechtfertigung des Suizids als Teil der Erzählung.
Neben Liddells Werk präsentiert Philippe Quesne mit Der Berg der Vampire eine dystopische Produktion. Ein weiterer Höhepunkt, Mythen des Alltags, untersucht menschliche Geschichten durch Kleidung. Gemeinsam prägen diese Stücke die Auseinandersetzung des Festivals mit Sterblichkeit und Dasein.
Die Festwochen setzen auf Aufführungen, die das Publikum herausfordern und konfrontieren. Liddells Inszenierung und andere Produktionen sprengen Grenzen in Erzählweise und visueller Wirkung. Sie hinterlassen einen bleibenden Eindruck in der Wiener Kulturszene.






