26 April 2026, 14:36

Warum scheiterte die linke Kapitalismuskritik im neoliberalen Zeitalter?

Papier mit handgeschriebenem Text "Newtown Market Hall, die Wahl, Mr. Williams' Proposition für gegen Mehrheit".

Warum scheiterte die linke Kapitalismuskritik im neoliberalen Zeitalter?

Ein neuer Sammelband mit dem Titel "Krise der Kritik? Gegner des Kapitalismus im neoliberalen Zeitalter" untersucht, warum linker Widerstand gegen den Aufstieg des Neoliberalismus seit den 1970er-Jahren nur begrenzt erfolgreich war. Das Buch vereint Aufsätze, die analysieren, wie sich die Kapitalismuskritik wandelte – von grundsätzlichen Systemfragen hin zu enger gefassten, konsumorientierten Protestformen. Die Herausgeber argumentieren, dass das Verständnis dieser Schwächen entscheidend ist, um aktuelle gesellschaftliche Veränderungen zu begreifen.

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Die Beiträge zeichnen nach, wie der Neoliberalismus nach den 1970er-Jahren zur vorherrschenden Ideologie wurde, und beleuchten zwei zentrale Erklärungsansätze: strukturelle Veränderungen des Kapitalismus selbst sowie die Verbreitung neoliberaler Ideen. Flemming Falz zeigt in seinem Essay, dass nicht allein konservative Kräfte diesen Wandel vorantrieben, sondern dass auch Sozialdemokraten und linksliberale Politiker neoliberale Reformen oft als Krisenreaktion durchsetzten. Dies widerlegt die Vorstellung eines einfachen "Rechtsrucks".

Roman Kösters Beitrag hinterfragt den analytischen Nutzen des Begriffs "Neoliberalismus". Er kritisiert, dass der Terminus häufig zu pauschal verwendet werde und so die fragmentierte Realität wirtschaftlicher und politischer Umbrüche verdecke. Benjamin Möckels Forschung hingegen belegt, dass konsumkritische Ansätze – die individuelle Kaufentscheidungen in den Fokus stellen – früher aufkamen als angenommen, selbst in der Nachkriegsprosperität. Bereits während der 1968er-Proteste waren sie mit systemischer Kapitalismuskritik verwoben.

Ein weiterer Schwerpunkt des Bandes liegt auf den 1990er-Jahren, als die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) nach Jahrzehnten neoliberaler Dominanz sozialistische Perspektiven wieder in die Debatte einbrachte. Doch ihre Kritik blieb gemäßigt und mündete nicht in eine radikale Kapitalismusablehnung. Die Aufsätze verdeutlichen insgesamt, wie es linke Bewegungen versäumten, dem Neoliberalismus wirksam entgegenzutreten – auch weil Protest zunehmend individualisiert wurde und strukturelle Alternativen aus dem Blick gerieten.

Der Sammelband widerlegt die These einer einfachen "Krise der Kritik" und zeigt stattdessen, wie sich Widerstand in fragmentierten Formen entwickelte. Indem er den Niedergang systemischer Opposition und den Aufstieg konsumbasierter Proteste nachzeichnet, liefert er eine präzisere Erklärung dafür, warum der Neoliberalismus auf so wenig Widerstand stieß. Die Erkenntnisse legen nahe, dass zukünftige Kapitalismuskritik diese historischen Verschiebungen aufarbeiten muss, um wieder an gesellschaftliche Strahlkraft zu gewinnen.

Quelle