Warum die Welt nicht mehr aufhören kann, Meinungen zu produzieren
Karl-Peter MöchlichenWarum die Welt nicht mehr aufhören kann, Meinungen zu produzieren
Meinungen sind allgegenwärtig – und es werden nicht weniger. Ob in Talkshows oder Online-Foren: Sie werden in schier endlosen Mengen produziert und konsumiert. Die Welt scheint entschlossen, zu jedem erdenklichen Thema eine Meinung zu äußern – und das ohne Pause.
Innerhalb einer einzigen Woche stieß die Autorin auf Standpunkte zum Nahostkonflikt, zu Windrädern und sogar zur Frage, ob Katzen Wahlrecht erhalten sollten. Selbst Ananas auf Pizza, vegane Torwarthandschuhe und achtsames Atmen sorgten für hitzige Diskussionen. Letzteres betrachtet die Autorin übrigens mit Skepsis.
Spielerisch entwirft sie ein Szenario, in dem selbst die Natur mitreden würde: Ein Schlafzimmer-Kaktus, Stechmücken und Sonnenblumen urteilen über ihr Tun, während das Mittelmeer Urlauber nach ihrem Verhalten sortiert.
Angesichts dieses Meinungsüberflusses schlägt die Autorin vor, sich auf drei Standpunkte pro Tag zu beschränken – jede weitere Äußerung müsste von einem Rebhuhn genehmigt werden. Diese humorvolle Idee unterstreicht, wie unaufhaltsam Meinungen unser modernen Leben durchdringen.
Denn wer schweigt, fällt heute fast schon auf. Vielleicht wird eines Tages sogar die Natur, sonst so neutral, Teil des Chor der Meinungsmächer. Bis dahin aber wird die Welt weiter unermüdlich Standpunkte produzieren – ganz ohne Pause.
