Theatermarathons erleben in Deutschland ein triumphales Revival
Karl-Peter MöchlichenTheatermarathons erleben in Deutschland ein triumphales Revival
Langatmige Theatermarathons feiern in Deutschland ein Comeback
Nach Jahren kürzerer, pausenloser Aufführungen während und nach der Pandemie besinnen sich große Bühnen nun wieder auf epische Inszenierungen. Das Publikum zeigt sich zunehmend begeistert von mehrstündigen Spektakeln – manche Veranstaltungen sind bereits schnell ausverkauft.
Die Berliner Volksbühne bringt bald Peer Gynt auf die Bühne, dessen erster Teil in früheren Aufführungen allein acht Stunden dauerte. Gleichzeitig präsentieren die Münchner Kammerspiele beim diesjährigen Berliner Theatertreffen Wallenstein: Ein Schlachtenfest in sieben Gängen – ein siebenstündiges Epos mit drei Pausen, in denen das Publikum sogar verköstigt wird.
Die deutsche Theaterlandschaft hat eine lange Tradition solcher Langzeitproduktionen. Berühmt wurde Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiel 1999, das ganze zwölf Stunden dauerte. Erst kürzlich zeigte das Schauspielhaus Bochum 2023 Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern, doch der Trend zu ausgedehnten Aufführungen ist unübersehbar.
Das Berliner Theatertreffen, das vom 1. bis 17. Mai stattfindet, verzeichnet bereits jetzt eine hohe Nachfrage nach Wallenstein – die Karten waren rasant vergriffen, ein Zeichen für das wiedererwachte Publikuminteresse an immersiven Großprojekten.
Die Rückkehr der Theatermarathons markiert einen Bruch mit den kurzen, pausenlosen Formaten, die während der Pandemie vorherrschten. Mit Produktionen wie Peer Gynt und Wallenstein, die große Zuschauerzahlen anziehen, besinnt sich das deutsche Theater erneut auf die Kunst des epischen Erzählens. Die schnellen Kartenverkäufe deuten darauf hin, dass das Publikum bereit ist für die Herausforderung langer, mitreißender Theatererlebnisse.






