Streit um Deutschlands neues Kulturerbe: Warum Döner und Bratwurst fehlen
Karl-Peter MöchlichenStreit um Deutschlands neues Kulturerbe: Warum Döner und Bratwurst fehlen
Deutschland hat neue Traditionen in seine Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Der Staatsminister für Kultur, Wolfram Weimer, und die Deutsche UNESCO-Kommission gaben die neuesten Auswahlentscheidungen bekannt. Die getroffenen Entscheidungen haben bereits Diskussionen darüber ausgelöst, was offizielle Anerkennung verdient.
Zu den neu gewürdigten Bräuchen zählen die Fischereimethoden in der Ostsee, die Herrenschneiderei sowie die Laternenumzüge zu St. Martin. Doch einige bekannte Traditionen – wie der Döner oder unabhängige linke Buchhandlungen – blieben unerwähnt, was bei Beobachtern Fragen aufwirft.
Die Deutsche UNESCO-Kommission und Weimer präsentierten diese Woche die aktualisierte Liste des immateriellen Kulturerbes. Darunter finden sich traditionelle Fischereitechniken der Ostsee, das Straßenfußballspiel auf dem Bolzplatz sowie die St.-Martins-Prozessionen im Rheinland. Auch die Schausteller auf Volksfesten wurden für ihre langjährige Tradition gewürdigt.
Die Aufnahme der Herrenschneiderei als handwerkliche Kunst stach besonders hervor. Kritiker hinterfragten jedoch, ob diese Fertigkeit Deutschland tatsächlich von anderen europäischen Ländern mit ähnlichen Traditionen unterscheidet. Gleichzeitig löste das Fehlen des Döners – eines landesweit beliebten Gerichts – und der unabhängigen linksgerichteten Buchhandlungen Neugier auf die Auswahlkriterien aus.
Weimers Umgang mit staatlich geförderter kultureller Anerkennung stand bereits früher in der Kritik. Seine jüngste Entscheidung, ein Übersetzungsprojekt palästinensischer Autor:innen aus der Förderliste des Berliner Hauptstadtkulturfonds zu streichen, hatte bereits für Aufsehen gesorgt. Diesmal scheiterte selbst die SPD mit ihrem traditionellen Sommerfest-Bratwurst am Auswahlverfahren, was die Debatte darüber anheizt, was als kulturell bedeutend gilt.
Die aktualisierte Liste umfasst nun 130 Traditionen – von regionalen Festen bis hin zu handwerklichen Techniken. Einige Auslassungen haben jedoch Kulturbeobachter:innen veranlasst, den Auswahlprozess zu hinterfragen. Die Entscheidungen verdeutlichen die anhaltenden Spannungen darüber, wie Deutschland sein kulturelles Erbe durch offizielle Anerkennung definiert und bewahrt.






