17 June 2026, 18:24

RAW-Gelände in Berlin: Kulturoase vor dem Aus oder Rettung in letzter Minute?

Investor ruft Frieden ab

RAW-Gelände in Berlin: Kulturoase vor dem Aus oder Rettung in letzter Minute?

Die Zukunft des RAW-Geländes, eines bekannten soziokulturellen Zentrums in Berlin-Friedrichshain, steht nach Jahren zäher Verhandlungen auf der Kippe. Fast elf Jahre lang führten Gespräche mit dem Bezirk zu keinem klaren Ergebnis. Das Gelände, das die Kurth-Gruppe 2015 erwarb, bleibt Mittelpunkt einer hitzigen Debatte über Entwicklung und Erhalt.

2022 schien ein Durchbruch möglich, als eine Vereinbarung zum Schutz des „kulturellen L“-Bereichs des RAW-Geländes erzielt wurde. Im Gegenzug war ein 100 Meter hohes Büroturmprojekt vorgesehen. Doch 2024 zog sich die Kurth-Gruppe aus den Verhandlungen zurück – die Pläne liegen seitdem auf Eis.

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Der Investor drängt auf vorzeitige Baugenehmigungen und eine Bebauung am östlichen Rand des Geländes. Würden diese Forderungen durchgesetzt, könnte sich der Charakter des RAW-Geländes grundlegend verändern. Das Unternehmen argumentiert, das im Mai geschlossene Rahmabkommen komme allein Berlin zugute und ignoriere seine eigenen Belange.

Noch am vergangenen Wochenende pulsierte das Gelände mit gewohnter Lebendigkeit, etwa bei einer öffentlichen Fußball-Übertragung. Doch hinter den Kulissen erklärte die Kurth-Gruppe, das Planungsverfahren sei „endgültig gescheitert“. In der Folge drohen nun mehreren Projekten, darunter dem Club Cassiopeia, die Räumung. Florian Falkenhagen, Geschäftsführer des Cassiopeia, erhielt mündlich die Aufforderung, das Gelände bis Monatsende zu verlassen – obwohl der Club seit Ende letzten Jahres Miete zahlt und auf Basis einer vorübergehenden Regelung arbeitet.

Ohne Unterstützung des Bezirks und ein abgeschlossenes Planungsverfahren kann der Investor nicht vorankommen. Julian Schwarze, Experte für Stadtentwicklungspolitik, warnt, der Konflikt um das RAW-Gelände offenbare strukturelle Schwächen in Berlins Bodenpolitik. Er betont die Notwendigkeit, solche einzigartigen Kulturorte zu schützen und zu erhalten.

Die Forderungen der Kurth-Gruppe und die Unfähigkeit des Bezirks, einen Kompromiss zu finden, lassen die Zukunft des RAW-Geländes in der Schwebe. Cassiopeia und andere Projekte sollen in den kommenden Wochen das Gelände verlassen. Der Ausgang wird zeigen, ob Berlin in der Lage ist, Entwicklung und den Erhalt seiner kulturellen Leuchttürme in Einklang zu bringen.

Quelle