Oktoberfest in München: Traum für Touristen, Albtraum für Anwohner wie Martin Stanek
Karl-Peter MöchlichenOktoberfest in München: Traum für Touristen, Albtraum für Anwohner wie Martin Stanek
Jedes Jahr lockt das Münchner Oktoberfest Millionen Besucher an – 16 Tage lang wird gefeiert. Doch für Anwohner wie Martin Stanek, der in der Nähe des Festgeländes, der von den Einheimischen einfach "Wiesn" genannten Theresienwiese, lebt, bringt das Spektakel ebenso viel Frust wie Freude. Zwar schätzt er die lebhafte Atmosphäre und gelegentliche Prominentensichtungen, doch das Chaos, das betrunkene Feiernde hinterlassen, macht ihm den Alltag zur Qual.
Das Oktoberfest begann 1810 als Hochzeitsfeier für Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese. Mit der Zeit dehnte es sich auf 16 Tage aus – von Mitte September bis Anfang Oktober –, um möglichst viele Gäste anzulocken und die wirtschaftlichen Vorteile zu maximieren. 2025 findet das Fest vom 20. September bis 5. Oktober statt, 2026 dann vom 19. September bis 4. Oktober.
Für Stanek bedeuten die ausgedehnten Feierlichkeiten jedoch wochenlange Beeinträchtigungen. Er erzählt, wie er über Betrunkene steigen muss, die auf Gehwegen liegen, oder Fremde vor seiner Haustür ihr Geschäft verrichten sieht. Vandalismus kommt hinzu: Blumenkübel werden umgerissen, Glasscherben liegen auf den Straßen. Ein Nachbar versuchte sogar, seinen Vorgarten abzuzäunen – vergeblich, denn das half kaum gegen die Verwüstung.
Trotz aller Widrigkeiten hat Stanek auch positive Seiten des Fests. Er genießt es, Prominente wie die Kaulitz-Brüder zu entdecken oder betrunkene Stars beim Stolpern in Taxis zu beobachten. Dennoch wünscht er sich strengere Polizeikontrollen, um Anwohner zu schützen und die Gegend sauberer zu halten. Wenn dann der erste Montag nach der Wiesn anbricht, überkommt ihn ein Gefühl der Erleichterung – wenn auch mit einem Hauch Wehmut.
Das Oktoberfest bleibt ein zentraler Bestandteil der Münchner Kultur und Wirtschaft, das jedes Jahr im Herbst internationale Gäste anzieht. Für Einheimische wie Stanek jedoch hinterlässt das Fest ein zwiespältiges Erbe: schöne Erinnerungen, aber auch Frust. Sein Wunsch nach besserem Besuchermanagement spiegelt die anhaltende Herausforderung wider, Tradition und die Bedürfnisse derer, die hier leben, in Einklang zu bringen.