Neslihan Arol bringt das Meddah-Theater mit feministischer Kraft nach Berlin
Sami RöhrichtNeslihan Arol bringt das Meddah-Theater mit feministischer Kraft nach Berlin
Neslihan Arol lässt das jahrhundertealte Meddah-Theater in Berlin mit modernem Twist wiederaufleben. Mit einer Mischung aus Humor, Politik und feministischem Storytelling verwandelt sie die uralte Tradition in etwas Frisches und Fesselndes. An diesem Wochenende ist sie im Bavul Café in Kreuzberg zu erleben, wo sie die Rolle der Meddahin neu definiert.
Arols Weg zum Meddah begann 2014 im Ballhaus Naunynstraße, wo sie ihr Berlin-Debüt gab. Eigentlich als Chemieingenieurin ausgebildet, verfolgte sie heimlich ihre Leidenschaft für die Schauspielerei – selbst ihre Masterarbeit schrieb sie über Clowns aus feministischer Perspektive. Da das traditionelle Theater Frauen selten wirklich komische Rollen bot, wandte sie sich dem Clownspiel zu, um Normen infrage zu stellen und Machtstrukturen bloßzulegen.
Mittlerweile geht ihr Schaffen weit über klassisches Erzähltheater hinaus. Sie integriert Multimedia, zeitgenössische deutsch-türkische Themen und Kooperationen mit lokalen Künstler:innen. Spielstätten wie das HAU Hebbel am Ufer, die Sophiensæle und das Tanz im August-Festival haben ihre Auftritte bereits gezeigt. 2024–2025 tourt ihr Residenzprojekt "Meddah in Migration" durch Berlin und die Ruhrtriennale – und lotet damit die Grenzen der Kunstform weiter aus.
Auf der Bühne wechselt Arols Energie zwischen scharfem Witz und tiefer Ernsthaftigkeit. Oft steht ein kleines Teelicht neben ihr – Symbol für die Menschlichkeit der Meddahin. Es verkörpert drei Ideen: ein helles Herz, das Opfer, sich selbst zu verbrennen, um andere zu erleuchten, und die Begegnung mit dem Publikum in Wärme. Ihre Geschichten wirken lebendig, getragen von ihrer Stimme und dem Flackern der Flamme.
Arols Auftritte bestachen durch ihre mutige, feministische Neudeutung des Meddah-Theaters. Indem sie Komödie, Politik und persönliche Erzählungen verbindet, hält sie die alte Tradition im heutigen Berlin relevant. Ihre anstehende Residenz und die Shows im Bavul Café bieten weiteren Zuschauer:innen die Chance, ihr einzigartiges Zusammenspiel aus Storytelling und Aktivismus zu erleben.






