10 June 2026, 16:34

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom Filmfestival Marseille zurück

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom Filmfestival Marseille zurück

Ein wachsender Streit ist um die geplante Teilnahme des israelischen Regisseurs Nadav Lapid beim Internationalen Filmfestival FID Marseille entbrannt. Rund zehn Filmemacher zogen ihre Beiträge von der Veranstaltung zurück, was Lapid schließlich zum vollständigen Rückzug zwang. Die Auseinandersetzung hat in der Filmbranche eine breite Debatte ausgelöst.

Auslöser der Kontroverse war Lapids Einladung als Jurymitglied. Festivalleiterin Tsveta Dobreva betonte, er sei zunächst wegen seiner künstlerischen Leistungen und nicht wegen seiner politischen Haltung ausgewählt worden. Doch der Druck wuchs, bis es schließlich zu seinem Ausschluss kam.

Über 350 Branchenvertreter, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie den Boykott verurteilten. Darin heißt es, Lapids Ausschluss solle als Warnsignal dienen, und sie fordern einen fortgesetzten kulturellen Austausch. Zwei Gastbeiträge in Le Monde verteidigten ihn ebenfalls – einer mit dem Titel „Kino ist keine Botschaft“ prangerte Einschüchterungsversuche an.

Lapid, ein scharfer Kritiker der Regierung unter Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in Frankreich. Sein jüngster Film Yes wurde von Variety als „scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus“ bezeichnet. Er äußerte sich frustriert über den zunehmenden Druck und warnte vor einer Einschränkung der kulturellen Freiheit.

Der Rückzug Lapids und der Boykott spalten die Filmszene. Viele sehen den Vorfall als Bedrohung für die künstlerische Unabhängigkeit. Das Festival steht nun vor der Frage, wie es politische und kulturelle Belange in Einklang bringen kann.

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