Mozarts Così fan tutte wird in Wiesbaden zum revolutionären Live-Experiment
Karl-Peter MöchlichenMozarts Così fan tutte wird in Wiesbaden zum revolutionären Live-Experiment
Das Staatstheater Wiesbaden inszeniert Mozarts Così fan tutte auf revolutionäre Weise
In dieser Spielzeit wird die Oper zu einem Echtzeit-Experiment über Liebe, Vertrauen und Verrat. Das Publikum bleibt nicht nur Zuschauer – es wird selbst Teil des Geschehens als Studierende einer Kunsthochschule, an der Beziehungen auf die Probe gestellt werden.
Regisseurin Marie-Ève Signeyrole hat die Produktion radikal neu gedacht und alle Fassade fallen lassen. Die Aufführung beginnt hinter der Bühne, wo Kostüme, verborgene Wege und verstohlene Blicke die Grenze zwischen Darstellern und Publikum verschwimmen lassen. Die übliche Distanz löst sich auf, sobald die Zuschauer in die Rolle der Studierenden schlüpfen – angeleitet von Don Alfonso durch ein Experiment des Zweifels.
Auf der Bühne werden 20 junge Paare agieren, allesamt keine professionellen Sänger. Bewerben können sich Interessierte zwischen 18 und 35 Jahren, die Neugier und Engagement mitbringen – Opernerfahrung ist nicht erforderlich. Mit einem Ticketpreis von nur 10 Euro wird das ungewöhnliche Erlebnis für alle zugänglich.
Signeyroles Ansatz ist direkt und schonungslos. Indem sie die rohen Dynamiken von Nähe, Begierde und Treue freilegt, zwingt sie die Oper, ihre eigenen Annahmen zu hinterfragen. Heraus kommt eine Inszenierung, die sowohl Darsteller als auch Zuschauer mit unangenehmen Wahrheiten über Loyalität und Liebe konfrontiert.
Das Experiment läuft die gesamte Spielzeit und verwandelt Così fan tutte in ein immersives Erlebnis. Die Teilnehmer gehen mit mehr als nur einem Opernabend nach Hause – sie waren Teil einer lebendigen Erforschung menschlicher Verbindungen. Der innovative Ansatz des Theaters könnte die Art und Weise, wie das Publikum klassische Werke erlebt, neu definieren.






