Linke gedenkt NS-Bücherverbrennung mit Lesung gegen das Vergessen am Bebelplatz
Sami RöhrichtLinke gedenkt NS-Bücherverbrennung mit Lesung gegen das Vergessen am Bebelplatz
Berlins Linke veranstaltet Lesung zum 91. Jahrestag der NS-Bücherverbrennung am Bebelplatz
Am 10. Mai hielt die Berliner Linke eine öffentliche Lesung ab, um an den 91. Jahrestag der nationalsozialistischen Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz zu erinnern. Die unter dem Motto „Lesen gegen das Vergessen“ stehende Veranstaltung ehrte die Schriftstellerinnen und Schriftsteller, deren Werke 1933 vernichtet wurden. Die Organisatorinnen und Organisatoren betonten die Bedeutung des historischen Gedenkens und des Widerstands gegen Hass, Rassismus sowie Versuche, das kollektive Gedächtnis auszulöschen.
Am 10. Mai 1933 hatten nationalsozialistische Studierende und Anhänger im Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“ tausende Bücher in Berlin verbrannt. Die Kampagne richtete sich gezielt gegen Werke jüdischer Autorinnen und Autoren, doch auch nicht-jüdische Schriftsteller, die moderne oder kritische Literatur verfassten, wurden ins Visier genommen. Die NS-Propaganda behauptete, die Verbrennungen würden die deutsche Kultur vom sogenannten „jüdischen Geist“ reinigen.
Ines Schwerdtner, Co-Vorsitzende der Linken, kündigte die diesjährige Gedenkveranstaltung auf ihrem Instagram-Account an. Die Zusammenkunft sollte gemeinsam an die verfolgten Autorinnen und Autoren erinnern und die Ablehnung aller Formen von Hass bekräftigen. In der Ankündigung wurde jedoch nicht hervorgehoben, dass der Großteil der verbrannten Bücher von jüdischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern stammte.
Die Lesung fand statt, während sich Berlin auf die Landtagswahlen im September vorbereitet. Innerhalb der Linken hat in den letzten Monaten der antizionistische Flügel an Einfluss gewonnen. Kritiker fordern, die Partei müsse klarer zwischen Antisemitismus und anderen Formen von Rassismus unterscheiden – besonders vor dem Hintergrund der Bücherverbrennung von 1933.
Die Veranstaltung am Bebelplatz diente als Mahnmal für die Zerstörung von 1933 und ihre ideologischen Wurzeln. Indem sie die zum Schweigen gebrachten Stimmen verfolgter Autorinnen und Autoren in den Mittelpunkt stellte, unterstrich sie die Notwendigkeit, sich sowohl historischen als auch gegenwärtigen Formen des Hasses entgegenzustellen. Angesichts der anstehenden Wahl könnte die Haltung der Linken zum Antisemitismus weiter auf den Prüfstand gestellt werden.






