15 March 2026, 06:31

Kulturskandal im HKW: Warum deutsche Künstler jetzt boykottieren

Ein Plakat der Berliner Secession mit einer Frau in einem grünen Kleid und einem Mann in einem schwarzen Anzug, mit Text, der das Ereignis beschreibt.

Kulturskandal im HKW: Warum deutsche Künstler jetzt boykottieren

Berlins Haus der Kulturen der Welt (HKW) steht im Zentrum einer wachsenden Kontroverse. Die seit 2023 vom kamerunischen Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung geleitete Institution geriet kürzlich unter Beschuss, nachdem sie ein Konzert des schwäbischen Rappers Chefket absagte. Die Entscheidung löste eine Welle der Solidarität unter deutschen Künstlern aus und wirft Fragen nach politischer Einflussnahme auf Kulturinstitutionen auf.

Der Streit eskalierte, als Chefket – vom Goethe-Institut als "Rap-Botschafter" bezeichnet – während eines Auftritts ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" trug. Das Shirt zeigte arabische Kalligrafie und eine Umrisskarte Israels, zeitlich zusammenfallend mit dem Jahrestag eines Hamas-Angriffs. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer setzte die Veranstalter unter Druck, das Konzert abzusagen, woraufhin die Absage kurzfristig erfolgte.

Als Reaktion zogen alle anderen für das HKW gebuchten deutschen Künstler ihre Auftritte zurück. Der Boykott hat den internationalen Ruf des Hauses schwer beschädigt – trotz seiner Vergangenheit als Bühne für globale Acts wie den haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil.

Die Debatte kommt zu einer Zeit, in der das HKW, nur wenige Schritte vom Kanzleramt entfernt, von der Bundespolitik lange vernachlässigt wurde. Ndikungs Führung – erstmals wird eine große deutsche Kultureinrichtung vollständig von People of Color geleitet – stand bereits wegen ihres "postkolonialen" Programms in der Kritik. Gleichzeitig hatte der Satiriker Jan Böhmermann mit seiner Ausstellung Die Möglichkeit des Unvernünftigen das HKW in den Fokus rücken wollen, doch die Wirkung bleibt ungewiss.

Die Folgen der Affäre zwingen das HKW nun, um seine Reputation zu kämpfen – zwischen Vorwürfen der Zensur und politischer Einmischung.

Die Absage von Chefkets Konzert löste einen flächendeckenden Kulturboykott aus, der das HKW von der deutschen Kunstszene isoliert. Mit seiner globalen Strahlkraft auf dem Spiel steht die Institution vor einem schwierigen Wiederaufbau des Vertrauens. Der Vorfall offenbart zudem die anhaltenden Spannungen zwischen Politik, Meinungsfreiheit und kultureller Führung in Deutschland.

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