Kölner Karnevalsvereine retten mittelalterliche Stadttore vor dem Verfall
Sami RöhrichtKölner Karnevalsvereine retten mittelalterliche Stadttore vor dem Verfall
Drei der mittelalterlichen Stadttore Kölns gehören heute den örtlichen Karnevalsvereinen. Diese historischen Wahrzeichen wurden liebevoll restauriert und für die Vereinsaktivitäten umgenutzt. Jedes Tor beherbergt eine andere Gruppe und verbindet so jahrhundertealte Architektur mit lebendigen Traditionen.
Das Hahnentor, eines der vier noch erhaltenen mittelalterlichen Tore, dient als Heimstatt der Kölner EhrenGarde. Der Verein widmet sich vor allem den Karnevalsfeiern, traditionellen Tänzen und Reitvorführungen. Zudem spielt das Tor eine zeremonielle Rolle, indem es zwei zentrale Karnevalsfiguren begleitet: den Bauern und die Jungfrau.
Die Ulrepforte, ein mittelalterlicher Turm mit eigenem Festsaal, wird von den Roten Funken genutzt. Diese pazifistisch ausgerichtete Gruppe führt ihre Wurzeln auf die Kölner Stadtsoldaten des 17. bis 19. Jahrhunderts zurück. Kürzlich stellten sie vor ihrem Laden im Turm eine lebensgroße Bronzefigur eines Funkens auf. Ihre langjährigen Rivalen, die Blauen Funken, trennten sich 1870 von ihnen und führen seitdem den Rosenmontagszug an.
Das Severinstor und der Bayenturm sowie Abschnitte der alten Stadtmauer wurden von anderen großen Karnevalsgesellschaften restauriert. Die Blauen Funken treffen sich in einem befestigten Mauerabschnitt, während die Mählsack (Prinzengarde) von einem Turm in der Südstadt aus agiert.
Die Kölner Karnevalsvereine haben durch die Übernahme der Pflege Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung erhalten. Die Tore und Türme dienen heute als Vereinsheime und sichern so ihr Fortbestehen, während sie die Traditionen lebendig halten. Diese ungewöhnliche Verbindung von Kulturerbe und Festkultur prägt bis heute das kulturelle Gesicht der Stadt.