Joe Lycett wird offiziell zu Hugo Boss – ein Protest mit Geschichte
Karl-Peter MöchlichenJoe Lycett wird offiziell zu Hugo Boss – ein Protest mit Geschichte
Der Komiker Joe Lycett hat seinen Namen offiziell in Hugo Boss ändern lassen – als Protest gegen die aggressive Durchsetzung der Markenrechte durch das Modeunternehmen. Der Schritt folgt auf Jahre voller juristischer Drohungen an kleine Unternehmen und gemeinnützige Organisationen, die das Wort "Boss" in ihren Namen verwenden. Lycetts Aktion lenkt zudem die Aufmerksamkeit auf die umstrittene NS-Vergangenheit des Konzerns, für die dieser sich vor über einem Jahrzehnt offiziell entschuldigt hatte.
Das Luxusmodehaus Hugo Boss wurde 1924 von Hugo Ferdinand Boss gegründet, einem langjährigen Mitglied und Unterstützer der NSDAP sowie Anhänger Adolf Hitlers. Während des Zweiten Weltkriegs fertigte das Unternehmen SS-Uniformen – hergestellt von Zwangsarbeiter:innen. 2011 entschuldigte sich die Marke öffentlich für das "Leid und die Entbehrungen", die durch ihre Kriegsproduktion verursacht worden waren.
In den vergangenen Jahren geriet das Unternehmen wegen Abmahnungen an kleine Betriebe und gemeinnützige Initiativen in die Kritik, die das Wort "Boss" in ihren Namen führten. Die Brauerei Boss Brewing aus Swansea gab rund 10.000 Pfund für Anwaltskosten aus, nachdem sie eine Unterlassungsaufforderung von Hugo Boss erhalten hatte. Auch die Wohltätigkeitsorganisation DarkGirlBoss sah sich mit rechtlichen Schritten konfrontiert, als sie versuchte, ihren Namen als Marke eintragen zu lassen.
Lycett kündigte seinen Namenswechsel in den sozialen Medien an und betonte, dass er – nun offiziell Hugo Boss – "keinerlei Verbindung" zur Uniformproduktion für das NS-Regime habe. Unter seinem neuen Namen plant er, in seiner Verbraucherrechte-Sendung Got Your Back ein neues Produkt vorzustellen.
Der Modegigant beschäftigt derzeit über 14.000 Mitarbeiter:innen in 127 Ländern. Lycetts Protest rückt sowohl die Markenrechtsstreitigkeiten als auch die historischen Verstrickungen des Unternehmens mit der NSDAP in den Fokus. Sein rechtlich verbindlicher Name bleibt vorerst Hugo Boss.






