Historischer Wechsel: FAZ ernennt erste Mitverlegerin in 75 Jahren
Karl-Peter MöchlichenHistorischer Wechsel: FAZ ernennt erste Mitverlegerin in 75 Jahren
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat Helene Bubrowski zur neuen Mitverlegerin ernannt – ein historischer Wandel für die Zeitung. Ab dem 1. Januar 2027 wird sie dem Herausgeberrat angehören und damit als erste Frau in der 75-jährigen Geschichte der FAZ diese Position einnehmen. Ihre Berufung unterstreicht die zunehmende Hinwendung des Blattes zu einer eher linksliberalen politischen Ausrichtung.
Bubrowski, promovierte Juristin, arbeitet seit 2013 als politische Redakteurin und Berlin-Korrespondentin für die FAZ. Bekannt für ihre scharfsinnigen Analysen und souveräne Art, ist sie eine gefragte Gastgeberin in politischen Talkshows und erhielt 2021 den Theodor-Wolff-Preis für ihren Essay Warum den Deutschen ein bisschen mehr Optimismus guttun würde. Ihre Berichterstattung spiegelt die schrittweise ideologische Neuausrichtung der FAZ wider, die nach dem Tod des langjährigen Mitverlegers Frank Schirrmacher 2014 begann.
Die Führungsstruktur der FAZ ist im deutschen Medienland einzigartig: Vier Mitverleger teilen sich die Verantwortung und die redaktionellen Aufgaben. Bubrowskis Ernennung bricht mit der Tradition eines rein männlichen Gremiums – sie ergänzt das Team aus drei weiteren Mitverlegern, von denen sie und zwei andere als Modernisierer gelten. Gemeinsam haben sie die einst konservative Zeitung näher an den grün-sozialdemokratischen Mainstream herangeführt.
Ihre Beförderung steht für den tiefgreifenden Wandel innerhalb der FAZ, wo redaktionelle Entscheidungen zunehmend progressive Standpunkte widerspiegeln. Bubrowskis juristische Expertise und ihr ausgleichender Stil haben ihr über Parteigrenzen hinweg Respekt verschafft und stärken ihren Einfluss auf die künftige Ausrichtung des Blattes.
Mit Bubrowski gehört der Führungsriege der FAZ erstmals eine Frau an. Als Mitverlegerin wird sie die weitere Entwicklung der politischen Identität der Zeitung prägen. Der Schritt festigt den Kurs der FAZ als eine Publikation, die Tradition mit modernen, linksliberalen Perspektiven verbindet.






