Historiker Möller warnt vor falschen Geschichtsvergleichen und AfD-Debatten
Trudel RuppersbergerHistoriker Möller warnt vor falschen Geschichtsvergleichen und AfD-Debatten
Der Historiker Horst Möller warnt vor voreiligen geschichtlichen Vergleichen und argumentiert, dass solche Parallelen oft die langfristigen Folgen außer Acht lassen. Seine Äußerungen erfolgen vor dem Hintergrund einer Kontroverse, die durch provokante Titelbilder von Medien wie Stern und Der Spiegel ausgelöst wurde – darauf ist Donald Trump in extremer Bildsprache dargestellt.
Möller äußerte sich auch zu den Debatten über das politische Klima in Deutschland und wies die Behauptung zurück, die Alternative für Deutschland (AfD) sei eine „faschistische“ Partei. Er betonte, wie wichtig eine sorgfältige Analyse sei, bevor man Vergänge der Vergangenheit mit heutigen Krisen vergleiche. Den Gedanken eines „deutschen Sonderwegs“ in die Diktatur lehnte Möller ab und verwies darauf, dass nach dem Ersten Weltkrieg viele europäische Nationen instabil gewesen seien. Er stellte die zwölfjährige Krise der Weimarer Republik den 76 Jahren stabiler Entwicklung der Bundesrepublik gegenüber – beide hätten jedoch mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, etwa mit einer durch Schulden getriebenen Inflation.
Kritisch äußerte er sich über die Praxis, historische Details selektiv für Vergleiche herauszugreifen. Historiker müssten stattdessen Ereignisse im gesamten Kontext betrachten, so Möller. So wies er etwa die Einstufung der AfD als faschistisch zurück, da es in der Partei keinen „Führerkult“ gebe.
In der öffentlichen Debatte werden häufig pauschale historische Vergleiche bemüht – etwa wenn die US-Regierung mit dem SED-Regime der DDR gleichgesetzt oder Wladimir Putin mit Hitler verglichen wird. Möller warnte davor, dass solche Zuschreibungen komplexe Realitäten vereinfachen. Der Begriff „Faschismus“ selbst sei bereits während der 1968er-Proteste zu einem politischen Kampfbegriff geworden und habe seither an Präzision verloren.
Aktuelle Titelbilder haben die Diskussionen weiter angeheizt: Stern zeigte Trump mit Hitlergruß unter dem Titel Sein Kampf, während Der Spiegel ihn als zerstörerische Kraft darstellte – etwa als Komet, der auf die Erde zurast, oder mit dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue in der Hand.
Möllers Mahnungen unterstreichen die Gefahren einer vereinfachenden Geschichtsbetrachtung. Er besteht darauf, dass sinnvolle Vergleiche eine umfassende historische Perspektive erfordern – und nicht auf isolierten Bezügen beruhen dürfen. Die Debatte hält indes an, während Medien und politische Rhetorik zunehmend auf polarisierende historische Bilder zurückgreifen.






