10 May 2026, 14:28

Happel und Nocker: Zwei Theaterlegenden, ein Wiener Viertel und ganz unterschiedliche Wege

Plakat für das Theatre Sarah Bernhardt von 1909-1910, das eine Gruppe von Frauen in der Mitte zeigt, mit Texten, die das Theater und seine Schauspieler beschreiben.

Happel und Nocker: Zwei Theaterlegenden, ein Wiener Viertel und ganz unterschiedliche Wege

Zwei der renommiertesten Schauspielerinnen Österreichs, Maria Happel und Paula Nocker, verbinden mehr als nur ihr Beruf. Beide leben im selben Wiener Viertel, und ihre Töchter teilen sich sogar eine Wohnung im gleichen Haus. Trotz ihrer engen Verbindung offenbaren sich in ihrem Zugang zu Schauspiel, Regie und dem Umgang mit Kritik markante Unterschiede in ihren Karrieren und Lebensauffassungen.

Maria Happels Laufbahn ist von sowohl Anerkennung als auch Kontroversen geprägt. Vor einigen Jahren zur „Österreicherin des Jahres“ gekürt, besitzt sie bis heute kein Wahlrecht im Land – sie hat nur die deutsche Staatsbürgerschaft. Aktuell probt sie für Der heilige Falstaff am Burgtheater, eine österreichische Erstaufführung, inspiriert von Shakespeares Heinrich IV. Ihr Regie-Stil ist präzise, mit Fokus auf die Führung des Ensembles – eine Rolle, die sie als die einer Spielleiterin, einer „Spielleiterin“, beschreibt. Doch ihr Rückzug von der Leitung des Reinhardt-Seminars hinterließ Wunden, nach Vorwürfen, über die sie sich nie öffentlich geäußert hat.

Happels familiäre Bindungen reichen bis auf die Bühne: 2010 trat sie mit ihren Töchtern in Der Weg ins Freie in Reichenau auf. Wie viele Schauspielerinnen verlässt sie sich auf Wiederholung und körperliche Verknüpfungen, um ihre Texte zu lernen – eine Methode, die sie mit ihrer Nachbarin Paula Nocker teilt.

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Nocker hingegen bereitet sich derzeit auf Mythen des Alltags vor, eine Koproduktion des Volkstheaters mit den Wiener Festwochen. Ihr Umgang mit Kritik könnte nicht unterschiedlicher sein: Während Happel positives Feedback bevorzugt, hält Nocker jede Kritik für berechtigt – solange sie respektvoll bleibt. Beide Frauen jedoch stehen geschlossen hinter der #MeToo-Bewegung und bestehen darauf, dass der Fortschritt weitergehen muss.

Ihr privates Leben berührt sich in kleinen, aber bedeutungsvollen Momenten. Jenseits ihrer künstlerischen Wege spiegelt die gemeinsame Wohnung ihrer Töchter eine Verbindung wider, die ihre unterschiedlichen künstlerischen Ansätze überbrückt.

Happel und Nocker verkörpern zwei gegensätzliche, doch gleichermaßen engagierte Stimmen des österreichischen Theaters. Die eine inszeniert mit Präzision und ringt mit vergangenen Kontroversen, die andere setzt auf offenen Dialog und gesellschaftliche Bewegungen. Ihre gemeinsame Hingabe an ihr Handwerk – und zueinander als Familien – unterstreicht die persönlichen und beruflichen Bande, die ihr Schaffen prägen.

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