Glasfaserbranche öffnet Netze – doch Investoren zögern wegen neuer Regeln
Karl-Peter MöchlichenGlasfaserbranche öffnet Netze – doch Investoren zögern wegen neuer Regeln
Deutschlands Glasfaserbranche setzt auf mehr Offenheit
Die deutsche Glasfaserbranche bewegt sich in Richtung größerer Transparenz, da immer mehr Betreiber auf Open-Access-Modelle setzen. Ein neuer Gesetzentwurf sieht nun strengere Regeln für die gemeinsame Nutzung von Netzen vor – insbesondere in Regionen, in denen nur ein wirtschaftlich tragfähiges Glasfasernetz existiert. Die Änderungen sollen den Wettbewerb stärken, stoßen aber bei Investoren auf Bedenken.
Der Entwurf des Telekommunikationsgesetzes (TKG) führt eine zentrale Vorgabe ein: Betreiber in Gebieten mit nur einem wirtschaftlich sinnvollen Glasfasernetz müssen künftig mit Drittanbietern über den Netzzugang verhandeln. Dieser Schritt folgt einer wachsenden Nachfrage nach Auswahlmöglichkeiten – bereits 83 Prozent der Kunden von 1&1 Versatel wünschen sich Alternativen zu einem einzigen Anbieter.
Open Access gewinnt an Fahrt. Die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge planen, ihr Glasfasernetz bis 2030/2031 für Konkurrenten zu öffnen. Gleichzeitig hat Deutsche GigaNetz Partnerschaften mit dem schwedischen Internetdienstanbieter Bahnhof und Westconnect geschlossen, um das Serviceangebot zu erweitern. Plusnet wird demnächst eigene Dienste über die Infrastruktur von OXG anbieten.
Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, hat die Branche S/PRI eingeführt – eine standardisierte Schnittstelle für Glasfasernetze. Dieser technische Schritt senkt die Hürden für neue Marktteilnehmer. Netzbetreiber warnen jedoch, dass schärfere Regulierungen Investitionen in den Glasfaserausbau bremsen könnten.
Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur (BNetzA), fordert strengere Kontrollen in Fällen, in denen Open Access scheitert. Mit fast 300 Betreibern, die in Deutschland Glasfaser ausbauen, bleibt die Balance zwischen Wettbewerb und Investitionssicherheit eine zentrale Herausforderung.
Der Vorstoß für mehr Offenheit verändert den deutschen Glasfasermarkt. Betreiber schließen neue Partnerschaften und setzen auf gemeinsame Standards, doch der regulatorische Druck könnte die künftige Expansion verlangsamen. Entscheidend wird sein, wie gut es der Branche gelingt, Wettbewerb und die Notwendigkeit kontinuierlicher Investitionen in Einklang zu bringen.






