18 April 2026, 22:28

Dresdens verbotene Kreativität: Wie eine Druckerpresse die Untergrund-Kunst revolutionierte

Detailreiche alte Karte von Dresden, Deutschland, mit zwei Papieren im Vordergrund vor einem grauen Hintergrund.

Dresdens verbotene Kreativität: Wie eine Druckerpresse die Untergrund-Kunst revolutionierte

In den 1970er-Jahren prägte eine Gruppe von Künstlern die Dresdner Untergrund-Kunstszene nachhaltig. Eberhard Göschel, Peter Herrmann und A.R. Penck entwickelten sich in dieser Zeit zu zentralen Figuren. Ihre Arbeit schuf nicht nur neue Räume und Ideen, sondern auch eine Druckerpresse, deren Einfluss bis heute in der Kunstwelt spürbar ist.

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Schon Anfang der 1970er-Jahre sorgte A.R. Penck für Aufsehen. 1971 gründete er mit anderen die Künstlergruppe Lücke, die bis zu ihrer Auflösung 1976 experimentelle Kunstformen erforschte. In derselben Zeit entwickelte er seine Theorie Vom Untergrund zum Oberground, in der er für einen Wandel plädierte – weg von inoffizieller Kunst hin zu einer stärkeren öffentlichen Wahrnehmung.

Bis 1976 hatten sich Göschel und Herrmann der Arbeitsgruppe des Leonhardi-Museums angeschlossen, einem Ort, der in Dresden alternative Kunst förderte. Zwei Jahre später bezog Göschel ein größeres Atelier und gab damit eine Dreizimmerwohnung frei. Dieser Raum wurde zum Kristallisationspunkt für künstlerische Experimente und Kooperationen.

Unterdessen besaß Peter Herrmann eine seltene italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908, die jedoch verfallen war. Bernhard Theilmann restaurierte die Maschine und verlieh ihr neues Leben. Die Presse sollte später zum Herzstück eines neuen Projekts werden. Zur gleichen Zeit hatte Jochen Lorenz, ein erfahrener Drucker, die Nase voll von Routineaufträgen wie Fahrplänen. Er sehnte sich nach kreativ anspruchsvolleren Aufgaben.

Diese Verbindungen führten schließlich zur Gründung der Dresdner Obergrabenpresse. Das Kollektiv fungierte als Künstlervereinigung, Druckwerkstatt, Verlag und sogar als kleine Galerie. Es bot inoffiziellen Künstlern eine Plattform – in einer Stadt, in der solche Freiräume Mangelware waren.

Die Obergrabenpresse wurde zu einem bleibenden Erbe der Dresdner Kunstbewegung der 1970er-Jahre. Sie ermöglichte Künstlern wie Penck, Göschel und Herrmann, ihre Werke außerhalb offizieller Kanäle zu produzieren und zu verbreiten. Die restaurierte Druckerpresse und die umfunktionierte Wohnung entwickelten sich zu unverzichtbaren Werkzeugen für eine Generation, die künstlerische Grenzen sprengte.

Quelle