Deutschland führt ab 2027 Pflicht-Untersuchungen für 18-Jährige ein – ein Schritt zur Wehrpflicht?
Wibke WeitzelDeutschland führt ab 2027 Pflicht-Untersuchungen für 18-Jährige ein – ein Schritt zur Wehrpflicht?
Ab Juli 2027 wird Deutschland für alle 18-jährigen Männer verpflichtende medizinische und Fitness-Untersuchungen einführen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten des Landes, seine Streitkräfte durch freiwillige Rekrutierung zu vergrößern. Beamte äußerten Besorgnis über die geringen Beteiligungswerte bei jüngsten Kampagnen.
2026 kontaktierte die Bundeswehr 298.200 junge Männer zum Thema freiwilliger Wehrdienst. Lediglich 530 meldeten sich tatsächlich – das anfängliche Interesse von 25 Prozent sank nach Telefoninterviews auf 12,5 Prozent. Rund 1.500 Bewerber absolvierten später medizinische Tests, wobei etwa 80 Prozent als diensttauglich eingestuft wurden.
Verteidigungsminister Boris Pistorius warnte, dass eine allgemeine Wehrpflicht notwendig werden könnte, falls sich die Zahlen der Freiwilligen nicht bessern. Roderich Kiesewetter von der CDU forderte bereits die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die oppositionelle AfD kritisierte die aktuellen Rekrutierungszahlen als zu schwach, um eine verlässliche militärische Reserve aufzubauen.
Laut dem neuen Plan drohen jungen Männern, die den militärischen Fragebogen nicht ausfüllen, Bußgelder von bis zu 250 Euro. Bei weiterer Verweigerung könnten zusätzliche Sanktionen folgen. Eine vollständige Rückkehr zur Wehrpflicht würde jedoch eine Zustimmung des Parlaments erfordern. Deutschlands langfristiges Ziel ist es, die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten von derzeit 186.000 auf 260.000 bis Mitte der 2030er-Jahre zu steigern.
Die verpflichtenden Untersuchungen sollen die Rekrutierungslücken schließen. Bußgelder und mögliche rechtliche Konsequenzen deuten auf einen strengeren Kurs hin. Die Regierung wird die Ergebnisse evaluieren, bevor über weitere Maßnahmen entschieden wird.
