Chemie-Branche einigt sich auf Tarifvertrag mit Lohnerhöhungen ab 2027
Karl-Peter MöchlichenChemie-Branche einigt sich auf Tarifvertrag mit Lohnerhöhungen ab 2027
Deutschlands chemisch-pharmazeutische Industrie schließt ersten großen Tarifabschluss des Jahres ab
Die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie hat ihren ersten großen Tarifvertrag des Jahres unterzeichnet. Die Vereinbarung betrifft rund 585.000 Beschäftigte und legt Lohnerhöhungen für die kommenden Jahre fest. Sie kommt zu einer Zeit, in der der Sektor weiterhin mit hohen Energiekosten, schwacher Nachfrage und globaler Konkurrenz zu kämpfen hat.
Das neue Tarifwerk wurde zwischen der Gewerkschaft IG BCE und dem Arbeitgeberverband BAVC ausgehandelt. Es soll Lohnerhöhungen mit Maßnahmen zum Erhalt von Arbeitsplätzen in einer anhaltenden Branchenkrise in Einklang bringen.
Laut dem Abkommen bleiben die Löhne von März 2026 bis Ende desselben Jahres unverändert. Im Januar 2027 tritt dann eine Erhöhung um 2,1 Prozent in Kraft, gefolgt von einem weiteren Anstieg um 2,4 Prozent im Januar 2028. Die Vereinbarung läuft bis Mai 2028 und bietet den Beschäftigten damit langfristige Planungssicherheit.
Um die Arbeitsplatzsicherheit zu stärken, werden die Arbeitgeber 2026 und 2027 jeweils 300 Euro pro Mitarbeiter und Jahr beisteuern. Diese Mittel – insgesamt rund 350 Millionen Euro über zwei Jahre – fließen in Maßnahmen wie Standortsicherung, Umschulungen und Arbeitszeitverkürzungen. Die Initiative steht im Zusammenhang mit jüngsten Stellenabbauprogrammen, darunter Werksschließungen des Konzerns Dow in Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Die Branche, die mit einem Umsatz von 220 Milliarden Euro im Jahr 2025 zu den umsatzstärksten in Deutschland zählt, leidet unter hohen Energiepreisen, US-Zöllen und globalen Überkapazitäten. Große Unternehmen wie BASF und Evonik haben bereits Kostensenkungsprogramme angekündigt, die auch Entlassungen umfassen. Trotz offener Stellen – etwa 78 in der chemischen Industrie Sachsen-Anhalts – rechnet das Ifo-Institut mit weiteren Rückgängen in Produktion und Beschäftigung.
Der Tarifvertrag bringt zwar Lohnsteigerungen und Mittel zum Arbeitsplatzerhalt für fast 600.000 Beschäftigte. Doch die Branche bleibt wirtschaftlichem Druck ausgesetzt, und Analysten erwarten weitere Einschnitte. Die Einigung schafft zwar eine vorübergehende Atempause, löst aber nicht die grundlegenden Herausforderungen durch hohe Energiekosten und schwache Marktnachfrage.






