CDU leitet Ausschlussverfahren nach umstrittenem AfD-Bündnis in Hessen ein
Wibke WeitzelCDU leitet Ausschlussverfahren nach umstrittenem AfD-Bündnis in Hessen ein
Die hessische CDU hat schnell gegen Mitglieder reagiert, die bei einer Abstimmung im Gemeinderat mit der AfD zusammengearbeitet haben. Der Schritt folgt einer gemeinsamen Kandidatenliste, die CDU- und AfD-Vertreter in Biebesheim am Rhein eingereicht hatten. Die Parteiführung hat nun Ausschlussverfahren eingeleitet und die Zusammenarbeit als Verstoß gegen eigene Statuten bezeichnet.
Der Vorfall unterstreicht die anhaltenden Spannungen um lokale Bündnisse mit der rechtspopulistischen Partei. Eine aktuelle Studie zeigt zudem, dass solche Kooperationen in der deutschen Kommunalpolitik keineswegs selten sind.
Auslöser des Streits war ein gemeinsamer Vorschlag von CDU- und AfD-Gemeinderäten in Biebesheim am Rhein, der eine Liste mit Kandidaten für die Stellvertreterposten des Bürgermeisters umfasste. Dieser Antrag erfolgte, nachdem der Rat zunächst eine separate Liste abgelehnt hatte. In der Folge wurde der AfD-Kandidat Bernd Kahnert in den Gemeindevorstand gewählt.
Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau verurteilte die gemeinsame Abstimmung als "spontan und unabgestimmt". Man betonte, sie verstoße gegen den offiziellen Unvereinbarkeitsbeschluss der Partei mit der AfD. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth hatte zuvor offen dafür plädiert, dass seine Partei einen der Stellvertreterposten besetzen solle – obwohl die AfD sechs Sitze hält, die CDU aber acht.
Kreisvorsitzender Stefan Sauer bestätigte, dass die Ausschlussverfahren nun eingeleitet seien. Weitere disziplinarische Maßnahmen könnten folgen. Der hessische CDU-Generalsekretär Leopold Born unterstützte die Entscheidung und forderte "sofortiges und entschlossenes" Handeln auf lokaler Ebene.
Eine umfassende Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) zeigt, dass solche Kooperationen kein Einzelfall sind. Zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 gab es bei rund 5.000 inhaltlichen Abstimmungen in Kommunalparlamenten in fast 19 Prozent der Fälle "direkte Zusammenarbeit" anderer Parteien mit der AfD. Die Studie stellt zudem fest, dass vor allem fraktionslose Gemeinderäte und Mitglieder kleinerer Parteien mit der AfD kooperieren.
In Biebesheim war das CDU-AfD-Bündnis eine direkte Reaktion auf eine gegnerische Liste von SPD, Grünen und Freien Wählern. Diese Koalition verfügt über 17 der 31 Sitze im Rat, während CDU und AfD eine alternative Gruppe bildeten.
Die disziplinarischen Maßnahmen der CDU signalisieren eine klare Haltung gegen lokale Allianzen mit der AfD. Die Ausschlussverfahren werden zeigen, ob die beteiligten Mitglieder in der Partei bleiben dürfen. Die WZB-Studie hingegen deutet darauf hin, dass solche parteiübergreifenden Kooperationen – wenn auch umstritten – ein wiederkehrendes Phänomen in der deutschen Kommunalpolitik bleiben.






