Berliner Philharmonie im Umbruch: Chefin geht, Gardiner polarisiert und Tempelhof liegt vorn
Karl-Peter MöchlichenBerliner Philharmonie im Umbruch: Chefin geht, Gardiner polarisiert und Tempelhof liegt vorn
Berliner Kulturszene in Aufruhr: Philharmonie-Chefin geht, Gardiner sorgt für Eklat, und eine Umfrage favorisiert Tempelhof
Die Berliner Kulturszene steht diese Woche vor mehreren Umbrüchen. Die Vertragsverhandlungen mit Philharmonie-Direktorin Andrea Zietzschmann sind gescheitert, während gleichzeitig über einen Interimsstandort für die geplante Sanierung des Orchesters 2032 gestritten wird. Daneben sorgt Dirigent John Eliot Gardiner für Kontroversen, und eine öffentliche Umfrage spricht sich für eine ambitionierte Alternative als künftigen Standort der Philharmonie aus.
Andrea Zietzschmann gab bekannt, ihren Vertrag bei der Philharmonie nach der aktuellen Amtszeit nicht zu verlängern. In Berlin hatte sich bereits das Gerücht verbreitet, eine Verlängerung über 2028 hinaus sei unwahrscheinlich – trotz ihrer Bemühungen, die Ausrichtung des Orchesters zu modernisieren. Parallel wird in der Stadt über einen provisorischen Spielort für die Sanierung 2032 diskutiert, wobei die Verantwortlichen das ICC (Internationales Congress Centrum) favorisieren. Zietzschmann zeigt sich von dieser Option jedoch nicht überzeugt.
Eine Umfrage des Portals BackstageClassical ergab eine deutliche öffentliche Präferenz für den Flughafen Tempelhof als möglichen neuen Standort – 66 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus. Das ICC erhielt lediglich fünf Prozent Zustimmung, während 29 Prozent ganz andere Standorte bevorzugten. Kollegen vom VAN Magazine hatten Tempelhof bereits als Alternative ins Spiel gebracht, doch die geschätzten Kosten belaufen sich auf über eine Milliarde Euro.
Unterdessen bestätigte der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), seinen Klassik-Radiosender auf DAB+ einzustellen und durch BR-Klassik zu ersetzen. Musikdirektorin Annette Josef bezeichnete den Schritt als „strategischen Erfolg“ und verwies auf erweiterte Kooperationen innerhalb des ARD-Netzwerks. Die Entscheidung stieß jedoch auf öffentliche Kritik.
Beim Leipziger Bach-Fest löste Dirigent John Eliot Gardiner mit seinem Auftreten eine breite Debatte aus. Während einige seine Arbeitsweise verteidigten, verurteilten andere sein Verhalten scharf. Als Reaktion erklärte Steven Walter, Direktor des Bonner Beethovenfests, sein Festival zur „No-Dick-Pic-Zone“ und verhängte Zugangsbeschränkungen für Wiederholungstäter.
Auch Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda mischte sich in die kulturellen Diskussionen ein. Er kritisierte Michel Friedmans Positionen zur deutschen kulturellen Identität während der Süddeutsche-Zeitung-Debatte „Friedman-Bayreuth“.
Zietzschmanns Abgang hinterlässt die Zukunft der Philharmonie in der Schwebe. Die Öffentlichkeit favorisiert klar Tempelhof als neuen Standort, doch die hohen Kosten bleiben ein Hindernis. Die MDR-Radio-Reform und die Gardiner-Kontroverse zeigen derweil die anhaltenden Spannungen in der deutschen Klassikszene.
