AfD triumphiert in Kaiserslautern – wie Arbeitslosigkeit die Wahl entschied
Trudel RuppersbergerAfD triumphiert in Kaiserslautern – wie Arbeitslosigkeit die Wahl entschied
In Kaiserslautern hat sich die politische Landschaft deutlich nach rechts verschoben: Die rechtspopulistische AfD holte bei der Sonntagswahl die meisten Zweitstimmen und erreichte 26 Prozent – ein Ergebnis, das den Kreis Kaiserslautern zum einzigen Wahlkreis in Rheinland-Pfalz macht, in dem die AfD führend war. Die Entwicklung spiegelt einen tiefgreifenden Wandel in einer Stadt wider, die einst eine Hochburg der SPD war, nun aber mit wirtschaftlichem Niedergang und steigender Arbeitslosigkeit kämpft.
Der Aufstieg der AfD in Kaiserslautern ist beachtlich: Bei der Bundestagswahl 2021 hatte die Partei hier noch 18,5 Prozent der Stimmen erhalten, doch ihr Zweitstimmenergebnis stieg seither um fast 15 Prozentpunkte. Im Stadtteil Grübental stimmten sogar 36 Prozent der Wähler für den Direktkandidaten der AfD – ein Vorsprung von zehn Punkten vor der SPD.
Die wirtschaftliche Krise der Stadt hat diese Verschiebung begünstigt. Seit der Schließung des Opel-Werks 2009 und des Pfaff-Standorts 2002 hat die Deindustrialisierung viele Menschen arbeitslos zurückgelassen. Ein geplantes Batteriezellenwerk des französischen Konzerns ACC, das 2.000 Arbeitsplätze bringen sollte, wurde wegen schwacher Nachfrage nach Elektroautos gestrichen. Die Arbeitslosenquote in Kaiserslautern liegt mit 9,5 Prozent deutlich über dem Bundesschnitt von 6,3 Prozent.
Die AfD nutzt diese Unzufriedenheit gezielt – besonders unter ehemaligen Industriearbeitern. Bis 2029 plant die Partei, in jedem Wahlkreis leerstehende Gaststätten anzumieten und zu hybriden Büros und Veranstaltungsorten umzubauen. Während die CDU mit stabilen Werten um 30 Prozent bleibt, verlieren SPD und Grüne weiter an Unterstützung und liegen weit unter ihren Hochphasen der 2000er-Jahre.
Trotz der AfD-Erfolge unterlag ihr Direktkandidat bei der Landtagswahl knapp dem SPD-Bewerber. Doch das starke Zweitstimmenergebnis unterstreicht den wachsenden Einfluss der Partei in einer einstigen SPD-Hochburg.
Der Sieg der AfD bei den Zweitstimmen zeigt, wie sehr sie in Kaiserslautern an Zuspruch gewinnt. Angesichts hoher Arbeitslosigkeit und eines schrumpfenden Industriesektors dürfte ihre Anziehungskraft bei enttäuschten Wählern bestehen bleiben. Die politische Landschaft der Stadt steht damit exemplarisch für die sozioökonomischen Herausforderungen, während die traditionellen Parteien um verlorenes Terrain ringen.






