Abschied nach 30 Jahren: Berliner Zeitung verliert ihre Chefreporterin in einer Kontroverse
Wibke WeitzelAbschied nach 30 Jahren: Berliner Zeitung verliert ihre Chefreporterin in einer Kontroverse
Anja Reich-Osang, die langjährige Chefreporterin der Berliner Zeitung, hat die Redaktion nach drei Jahrzehnten verlassen. Ihre Abschied wurde kurz vor dem Osterwochenende auf Facebook bekannt gegeben. Der Schritt löste Kritik und eine hitzige Reaktion des Verlagsleiters Holger Friedrich aus.
Die Kontroverse begann, als Franz Sommerfeld, ein ehemaliger Mitarbeiter der Berliner Zeitung, nach Reich-Osangs Ausstieg öffentlich die politische Ausrichtung der Zeitung kritisierte. Seine Äußerungen provozierten eine persönliche Erwiderung Friedrichs, der die Zeitung seit über sechs Jahren führt. In seiner Stellungnahme warf Friedrich Teilen der Medien Sensationsgier und unobjektive Berichterstattung vor.
Friedrich verschwieg dabei, dass es sich bei Sommerfelds Kommentaren um eine private Meinung und nicht um eine offizielle Position der Zeitung handelte. Stattdessen verteidigte er seine Handhabung von Reich-Osangs Abgang als eine routinemäßige Personalangelegenheit. In seinem Artikel bezog er sich zudem auf Beschwerden über einen erfundenen Text, der seine Ehefrau betraf, sowie angebliche Voreingenommenheit in der Berichterstattung des Medienportals kress.
Kritiker werteten Friedrichs Reaktion als überzogen und sahen darin ein Zeichen von übersteigertem Selbstbewusstsein und mangelnder Kritikfähigkeit. Der Streit hat die Spannungen innerhalb der Redaktion und ihrer Führungsebene offenbart.
Reich-Osangs Abschied nach 30 Jahren markiert das Ende einer Ära für die Berliner Zeitung. Die Folgen ihres Weggangs haben die Gräben in Fragen der redaktionellen Ausrichtung und des Führungsstils vertieft. Friedrichs Reaktion hat die Debatte über Medienethik und Transparenz weiter angeheizt.






